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Chapter One
Eröffnung: 2. Mai 2008

Die About Change, Collection Stiftung von Christiane zu Salm widmet sich vor allem der Collage, der Assemblage, der Zusammenführung unterschiedlicher Materialien, Medien, Kontexte und Inhalte, sowie der Geschichte dieser künstlerischen Arbeitsweise im Allgemeinen. Die erste Projektphase der About Change, Collection Stiftung gibt einen Einblick in die Offenheit des Sammlungsinteresses und ist Katalysator für eine Reihe von weiterführenden Veranstaltungen, die, von einzelnen Kunstwerken und KünstlerInnen ausgehend, das Verhältnis zwischen den Künsten und anderen gesellschaftlichen Bereichen thematisieren. In der ersten Ausstellung, „Introduction“ waren Werke von Ceal Floyer, Annette Kelm, Jon Kessler, Jonathan Meese, Tobias Rehberger, Kurt Schwitters, Taryn Simon und Andreas Slominski zu sehen.

„Chapter One“ ist die zweite Ausstellung der About Change, Collection Stiftung und zeigt Arbeiten von Birgit Brenner, Raphael Danke, Ellen Gallagher, Tue Greenfort, Katja Strunz, Ulla von Brandenburg und Pae White.

„Chapter One“ macht die Offenheit der Sammlung auf den ersten Blick deutlich. Während Ellen Gallagher die klassische Collage der Moderne aus ihrer spezifisch schwarzamerikanischen Position erweitert, lebt die Arbeit von Tue Greenfort von dem mittelbaren Dialog zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Bildfindungen, bringt also die Geschichte(n) unterschiedlicher Bilder aus unterschiedlichen Welten zueinander. Aber vor allem die Arbeiten, die vor Ort entstanden sind, zeigen das Potenzial der Grundidee der Collage. Wie Ulla von Brandenburg und Pae White hat auch Birgit Brenner exklusiv für „Chapter One“ vor Ort gearbeitet und ihre Arbeit neu arrangiert und ausgeführt. In allen drei Fällen sind beeindruckende, nachhaltig wirkende Fassungen entstanden.

Pae Whites Mobile „O V E R N E A T H“ (2005) eröffnet „Chapter One“ und definiert den Eingangsbereich der Ausstellungsräume der Sammlung neu. Der außerordentlich dynamische Körper aus hunderten von collagierten farbigen Einzelelementen ist aus sehr vielen Perspektiven immer wieder anders zu entdecken und wirkt wie ein farblich aufgeladenes Kraftfeld in den Raum hinein. Damit wirkt Whites Arbeit wie ein biomorphes, lebendiges Passstück zur konstruktivistischen Wandskulptur von Katja Strunz (a drop in time, 2008) aus Holz und Metall.

In ihrer raumgreifenden Installation „Die besten Jahre.“ (2005) bezieht sich Birgit Brenner auf die verschiedenen Ebenen des Mediums Film und spielt eindrucksvoll mit ihnen: Narration, technische Anweisungen, Bilder und Dialoge werden auseinander differenziert und in einen synästhetischen, räumlichen Gesamtzusammenhang gebracht. Es entsteht ein Szenario unbestimmter Verzweiflung, in dem Fotofragmente, Schrifttafeln, Wollfäden, Texte und Drehbuchanweisungen die totale Installation im Sinne Kabakows nutzen, um den Betrachter zum Regisseur, Akteur und Produzenten seines je eigenen Films werden zu lassen.

Das abstrahierte Wandbild von Ulla von Brandenburg (Stage II, 2007) verweist auf ihre filmischen Arbeiten, die die Künstlerin mit Personen aus ihrem Bekanntenkreis nach Art der Tableaux Vivants inszeniert und die in dem Wandbild gleichsam als Schatten der Erinnerung daran festgehalten sind.

Ellen Gallagher verwendet in ihrer Installation „DeLuxe“ (2004/05) Anzeigen, die sich an schwarze Konsumenten wenden, und bearbeitet dargestellte Gesichter und Texte, um sich auf spielerisch wirkende Weise kritisch mit Rassismus, sozialer und geschlechtlicher Identität zu beschäftigen und die Mechanismen massenmedialer und werbetechnischer Stereotype zu dekonstruieren.

Auch die Collage von Raphael Danke mit dem Titel „Die Entfernung von Lindsay Eligson“ (2006) greift filmische Referenzen auf und verweist ähnlich einem verlassenen Filmset oder einer leeren Bühne auf die zurückgebliebene Energie eines gerade noch anwesenden, agierenden Schauspielers.

In Tue Greenforts Installation (Medusa, 2007) treffen Kunst und Kunsthandwerk auf spielerische Weise auf die Naturwissenschaften und Geschichte ihrer Repräsentation: Das Modell einer Medusa, einer Qualle aus Muranoglas, lässt offen ob es sich um ein Kunstwerk, Kunsthandwerk oder ein wissenschaftliches Schaustück handelt.

Wie schon bei der Eröffnungsausstellung, ist die Besonderheit von Chapter One, dass das einzelne Werk im Kontext der anderen Arbeiten so präsentiert wird, dass Korrespondenzen entstehen, die der Offenheit der Sammlung und ihrem Schwerpunkt im Bereich der Collage, aber nicht bekannten Schubladen oder kunstgeschichtlichen Zuschreibungen verpflichtet sind.

Ganz in diesem Sinne ist ein wesentlicher Aspekt der Nutzung der Räume am Kupfergraben 10 die Veranstaltung einer Reihe von Gesprächen, die, frei nach William S. Burroughs, Interzone heißt. Bei Burroughs ist die Interzone ein alle Konventionen, Vorstellungen, Wahrnehmungen und Gewohnheiten entgrenzendes Cut Up-Wunderland. Im Zusammenhang mit der About Change, Collection Stiftung heißt Interzone, dass ein Künstler, eine Künstlerin der aktuellen Präsentation auf eine Person ihrer Wahl, die nicht aus dem Bereich der Kultur kommt, trifft und ein moderiertes Gespräch führt. Die Gespräche werden aufgezeichnet und als download auf der webpage von About Change, Collection Stiftung veröffentlicht. In „Interzone No. 1“ begegnete im Februar der Künstler Tobias Rehberger dem Genforscher Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker. Die zweite „Interzone“ ist für den Herbst dieses Jahres mit Taryn Simon, deren Arbeiten im Rahmen von „Introduction“ in der About Change, Collection Stiftung ausgestellt war, geplant.


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Öffnungszeiten:
Samstags 11-16 Uhr, nur nach Voranmeldung

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