Die About
Change, Collection Stiftung von Christiane zu Salm widmet sich vor allem
der Collage, der Assemblage, der Zusammenführung unterschiedlicher
Materialien, Medien, Kontexte und Inhalte, sowie der Geschichte dieser künstlerischen
Arbeitsweise im Allgemeinen. Die erste Projektphase der About
Change, Collection Stiftung gibt einen
Einblick in die Offenheit des Sammlungsinteresses und ist Katalysator für
eine Reihe von weiterführenden Veranstaltungen, die, von einzelnen
Kunstwerken und KünstlerInnen ausgehend, das Verhältnis zwischen
den Künsten und anderen gesellschaftlichen Bereichen thematisieren.
In der ersten Ausstellung, „Introduction“ waren Werke von Ceal
Floyer, Annette Kelm, Jon Kessler, Jonathan Meese, Tobias Rehberger, Kurt
Schwitters, Taryn Simon und Andreas Slominski zu sehen.
„Chapter One“ ist die zweite Ausstellung der About
Change, Collection Stiftung und zeigt
Arbeiten von Birgit Brenner, Raphael Danke, Ellen Gallagher, Tue Greenfort,
Katja Strunz, Ulla von Brandenburg und Pae White.
„Chapter One“ macht die Offenheit der Sammlung auf den ersten
Blick deutlich. Während Ellen Gallagher die klassische Collage der
Moderne aus ihrer spezifisch schwarzamerikanischen Position erweitert, lebt
die Arbeit von Tue Greenfort von dem mittelbaren Dialog zwischen künstlerischen
und wissenschaftlichen Bildfindungen, bringt also die Geschichte(n) unterschiedlicher
Bilder aus unterschiedlichen Welten zueinander. Aber vor allem die Arbeiten,
die vor Ort entstanden sind, zeigen das Potenzial der Grundidee der Collage.
Wie Ulla von Brandenburg und Pae White hat auch Birgit Brenner exklusiv
für „Chapter One“ vor Ort gearbeitet und ihre Arbeit neu
arrangiert und ausgeführt. In allen drei Fällen sind beeindruckende,
nachhaltig wirkende Fassungen entstanden.
Pae Whites Mobile „O V E R N E A T H“ (2005) eröffnet „Chapter
One“ und definiert den Eingangsbereich der Ausstellungsräume
der Sammlung neu. Der außerordentlich dynamische Körper aus hunderten
von collagierten farbigen Einzelelementen ist aus sehr vielen Perspektiven
immer wieder anders zu entdecken und wirkt wie ein farblich aufgeladenes
Kraftfeld in den Raum hinein. Damit wirkt Whites Arbeit wie ein biomorphes,
lebendiges Passstück zur konstruktivistischen Wandskulptur von Katja
Strunz (a drop in time, 2008) aus Holz und Metall.
In ihrer raumgreifenden Installation „Die besten Jahre.“ (2005)
bezieht sich Birgit Brenner auf die verschiedenen Ebenen des Mediums Film
und spielt eindrucksvoll mit ihnen: Narration, technische Anweisungen, Bilder
und Dialoge werden auseinander differenziert und in einen synästhetischen,
räumlichen Gesamtzusammenhang gebracht. Es entsteht ein Szenario unbestimmter
Verzweiflung, in dem Fotofragmente, Schrifttafeln, Wollfäden, Texte
und Drehbuchanweisungen die totale Installation im Sinne Kabakows nutzen,
um den Betrachter zum Regisseur, Akteur und Produzenten seines je eigenen
Films werden zu lassen.
Das abstrahierte Wandbild von Ulla von Brandenburg (Stage II, 2007) verweist
auf ihre filmischen Arbeiten, die die Künstlerin mit Personen aus ihrem
Bekanntenkreis nach Art der Tableaux Vivants inszeniert und die in dem Wandbild
gleichsam als Schatten der Erinnerung daran festgehalten sind.
Ellen Gallagher verwendet in ihrer Installation „DeLuxe“ (2004/05)
Anzeigen, die sich an schwarze Konsumenten wenden, und bearbeitet dargestellte
Gesichter und Texte, um sich auf spielerisch wirkende Weise kritisch mit
Rassismus, sozialer und geschlechtlicher Identität zu beschäftigen
und die Mechanismen massenmedialer und werbetechnischer Stereotype zu dekonstruieren.
Auch die Collage von Raphael Danke mit dem Titel „Die Entfernung von
Lindsay Eligson“ (2006) greift filmische Referenzen auf und verweist
ähnlich einem verlassenen Filmset oder einer leeren Bühne auf
die zurückgebliebene Energie eines gerade noch anwesenden, agierenden
Schauspielers.
In Tue Greenforts Installation (Medusa, 2007) treffen Kunst und Kunsthandwerk
auf spielerische Weise auf die Naturwissenschaften und Geschichte ihrer
Repräsentation: Das Modell einer Medusa, einer Qualle aus Muranoglas,
lässt offen ob es sich um ein Kunstwerk, Kunsthandwerk oder ein wissenschaftliches
Schaustück handelt.
Wie schon bei der Eröffnungsausstellung, ist die Besonderheit von Chapter
One, dass das einzelne Werk im Kontext der anderen Arbeiten so präsentiert
wird, dass Korrespondenzen entstehen, die der Offenheit der Sammlung und
ihrem Schwerpunkt im Bereich der Collage, aber nicht bekannten Schubladen
oder kunstgeschichtlichen Zuschreibungen verpflichtet sind.
Ganz in diesem Sinne ist ein wesentlicher Aspekt der Nutzung der Räume
am Kupfergraben 10 die Veranstaltung einer Reihe von Gesprächen, die,
frei nach William S. Burroughs, Interzone
heißt. Bei Burroughs ist die Interzone ein alle Konventionen, Vorstellungen,
Wahrnehmungen und Gewohnheiten entgrenzendes Cut Up-Wunderland. Im Zusammenhang
mit der About
Change, Collection Stiftung heißt Interzone,
dass ein Künstler, eine Künstlerin der aktuellen Präsentation
auf eine Person ihrer Wahl, die nicht aus dem Bereich der Kultur kommt,
trifft und ein moderiertes Gespräch führt. Die Gespräche
werden aufgezeichnet und als download auf der webpage von About
Change, Collection Stiftung veröffentlicht.
In „Interzone No. 1“ begegnete im Februar der Künstler
Tobias Rehberger dem Genforscher Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker. Die zweite
„Interzone“ ist für den Herbst dieses Jahres mit Taryn
Simon, deren Arbeiten im Rahmen von „Introduction“
in der About
Change, Collection Stiftung ausgestellt war, geplant.
Öffnungszeiten:
Samstags 11-16 Uhr, nur nach Voranmeldung